Diagnose: Kopfschmerzen oder doch Migräne?
Bei „einfachen“ Kopfschmerzen hilft in der Regel bereits etwas Ruhe oder eine Schmerztablette. Wer häufig, heftig oder auch plötzlich Kopfschmerzen bekommt, sollte jedoch zum Arzt gehen. Dieser kann anhand der Symptome und der Krankengeschichte feststellen, um welchen Kopfschmerztyp es sich handelt.Im Überblick
Schmerzmediziner beklagen, dass Kopfschmerzpatienten viel zu lange auf eigene Faust therapieren, bevor sie professionelle Hilfe suchen. Dann haben sie meist schon eine Schmerzkarriere hinter sich, die den klaren Blick auf die eigentlichen Ursachen verstellt. Oder sie schlucken schon so lange regelmäßig Medikamente, dass diese paradoxerweise selbst die Schmerzen im Schädel auslösen.
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Bestes Diagnoseinstrument: die Krankengeschichte
Um welche Art von Kopfschmerzen es sich handelt, ergibt sich aus der Krankengeschichte, also der Anamnese, sowie einer allgemeinmedizinischen Untersuchung. Bei Migräneverdacht ist auch eine neurologische Untersuchung ratsam, vor allem, wenn es sich um eine Aura-Migräne handelt. Bei dieser Form kündigt sich der Kopfschmerz mit Sehstörungen und der Wahrnehmung von Lichtblitzen, bunten Kreisen oder Linien an.
Hegt der Arzt den Verdacht, dass hinter den Kopfschmerzen eine physische Anomalie liegt – etwa eine Veränderung im Gehirn, an der Halswirbelsäule oder den Kiefergelenken, kann er eine Röntgenaufnahme oder eine
Computertomografie veranlassen. Auch Blutuntersuchungen sind in Ausnahmefällen sinnvoll, um möglichen körperlichen Störungen als Auslöser für die Kopfschmerzen auf die Spur zu kommen.
Die aufwendigen Tests empfehlen sich etwa für Patienten, die bislang nie Probleme mit Kopfschmerzen hatten, deren Kopf aber plötzlich, stark oder häufig wehtut. Der Hausarzt oder der Neurologe kommt dann möglicherweise zu dem Schluss, dass entweder nur eine verschleppte Erkältung oder ein kranker Zahn dahinter steckt, oder aber ein Tumor, dramatisch hohe Blutdruckwerte oder ein missgebildetes Gefäß im Gehirn, das zu platzen droht. Dann sind Kopfschmerzen nicht mehr nur eine Beeinträchtigung der Lebensqualität, sondern weisen als Warnsignal auf eine möglicherweise lebensgefährliche Erkrankung hin.
Wenn die Diagnose zeigt, dass eine andere Erkrankung die Kopfschmerzen ausgelöst hat, wird primär diese behandelt. Die Therapie des begleitenden Kopfschmerzes kann sich meist auf die kurzfristige Gabe von Schmerzmitteln beschränken.
Wenden Sie sich auf jeden Fall an einen Arzt, wenn
- Sie plötzlich starke Kopfschmerzen haben, ohne die Ursache zu kennen
- die Beschwerden trotz Schmerzmittel nicht besser werden
- eine Migräneattacke länger als 24 Stunden anhält
- Sie Schmerzmittel länger als drei Tage hintereinander benötigen
- die Anfälle an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten
- Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen
- starke Übelkeit einen Migräneanfall begleitet
- zusätzliche Beschwerden wie zum Beispiel doppeltes Sehen, Schwindel, Tinnitus (Ohrgeräusche), Lähmungserscheinungen oder Sprachausfälle auftreten
- die Kopfschmerzen erstmals nach Einnahme eines Arzneimittels auftreten
- nach dem 40. Lebensjahr erstmals Kopfschmerzen auftreten, die Sie bisher so nicht kannten
- Sie älter als 65 Jahre sind.
All diese Besonderheiten weisen darauf hin, dass es sich um eine Art von Kopfschmerzen handelt, die sich nicht von selbst zurückziehen. Einseitig scharfe Stiche bei tränendem Auge deuten auf Cluster-Kopfschmerzen hin, die nicht auf die üblichen Schmerzmittel reagieren.
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Wie Kopfschmerzen sich unterscheiden
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) verzeichnet mehr als 200 Kopfschmerzformen, von Spannungskopfschmerz bis Migräne, von Cluster- bis Orgasmuskopfschmerz.
Spannungskopfschmerz muss nach IHS-Definition folgende Kriterien erfüllen:
- Dauer der Kopfschmerzen: 30 Minuten bis 7 Tage
- mindestens 2 der folgenden Charakteristika:
- beiderseitig auftretend
- drückend, ziehend, nicht pulsierend
- leichte bis mittelschwere Schmerzintensität
- keine Zunahme bei Aktivität
- weitgehendes Fehlen von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Ausschluss anderer Ursachen von Kopfschmerzen (Erkältung, Kopfverletzung, „Kater“ etc.).
Für Migräne gelten folgende IHS-Kriterien:
- mindestens fünf Attacken, von denen keine auf eine Erkrankung zurückzuführen ist
- Kopfschmerzen, die (unbehandelt) 4 bis 72 Stunden anhalten
- einseitig auftretende pulsierende Schmerzen
- mittlere bis starke Schmerzintensität
- Verstärkung durch körperliche Routinebewegungen (Gehen oder Treppensteigen)
- Übelkeit und/oder Erbrechen während der Attacke
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit während der Attacke
Diese international verbindlichen Kriterien ermöglichen die sichere Diagnose von 95 Prozent aller Migränefälle.
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Kopfschmerztagebuch verrät die Auslöser
Spannungskopfschmerzen und mehr noch Migräne haben bestimmte Auslöser, die das Schmerzgeschehen in Gang setzen. Um den zahlreichen Möglichkeiten auf die Spur zu kommen, hilft ein Kopfschmerztagebuch. Darin notiert der Betroffene über mehrere Monate alle Details rund um den Kopfschmerz: Essensgewohnheiten, Aktivitäten, Wetter, Ärger, Freude, Besonderheiten am Arbeitsplatz und in der Familie. Er schreibt auch auf, zu welcher Uhrzeit der Schmerz kam, wie er sich anfühlte und wie lange er dauerte. Außerdem gehört ins Tagebuch, was man gegen die Kopfschmerzen unternommen und welche Medikamente man geschluckt hat.
Migräne kann zum Beispiel auch die Folge einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sein. Am häufigsten sind das Lebens- und Genussmittel, die
Histamine enthalten oder eine Histaminausschüttung im Körper provozieren: Rotwein, Käse, Schokolade.
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